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Freitag, 19.04.2019, 3:34 | Von

Stellungnahme des Martinsclub

In der Diskussion um pränatale Gen-Tests zur Analyse des Down Syndroms nimmt der Martinsclub Bremen e. V. folgende Position ein:

Zunächst schließt sich der Martinsclub der Meinung an, dass jede Frau diskriminierungsfrei entscheiden kann, ob Sie einen Test vornehmen lässt und welche Konsequenzen Sie daraus ziehen wird. Ihr Selbstbestimmungsrecht muss immer gewahrt sein.

In der Debatte um besagte Tests stört uns, als Träger der Behindertenhilfe und Inklusion in Bremen, die Sichtweise auf das Down Syndrom an sich. Dieses wird zumeist mit einer Krankheit gleichgesetzt. Das Down Syndrom und Beeinträchtigungen im Allgemeinen werden grundsätzlich als Defizit verstanden.

Das ist schlichtweg unzulässig in einer Gesellschaft, die zu Inklusion verpflichtet ist. In jedem Individuum muss das Potenzial gesehen werden, das es etwas Positives in die Gemeinschaft einzubringen vermag. Dass sich unsere Gesellschaft in fast allen Belangen an den Leistungsprinzipien „höher, schneller, weiter“ orientiert, ist dabei in diesem Zusammenhang als Kernproblem auszumachen.

Die Lösung hierbei heißt Aufklärungsarbeit. Inklusion kann jedoch nur schwer in der Theorie vermittelt werden. Sie muss vielmehr gelebt werden. Erst Begegnungen und gegenseitiger Austausch bauen Berührungsängste ab, die dann zu Akzeptanz, Toleranz und vielleicht zu mehr führen können. Das gilt für den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung, wie für alle anderen Menschen auch.

Ein positives Beispiel sehen wir in der inklusiven Schule. Der gemeinsame Schulbesuch sorgt für den beschriebenen Kennenlern-Effekt, so dass sich ein gegenwärtiges Schulkind im Erwachsenenalter wahrscheinlich nicht mit der Frage beschäftigenwird, ein Kind mit Down Syndrom abzutreiben.

Ein zweiter Ansatzpunkt, der im Rahmen dieser Debatte verstärkt vorangetrieben werden muss, ist die Unterstützung der Eltern. Verständlicherweise ist es für die meisten werdenden Familien eine einschneidende Nachricht, wenn das Kind eine Beeinträchtigung hat: Lebenspläne müssen durch unbekannte Herausforderungen neu gedacht werden. Die Entscheidung zur Abtreibung begründet sich in Folge dessen durch das Gefühl der Überforderung.

An dieser Stelle müssen Maßnahmen getroffen werden, die werdenden Müttern und Vätern entscheidend zur Seite stehen. Es gilt vorhandene Unterstützungsmechanismen, wie zum Beispiel in der Entwicklungsförderung, in der pädagogischen Betreuung oder auch in der Pflege, weiter zu perfektionieren. Vor allem muss über diese bestehenden Konzepte ausreichend informiert und diese zugänglich gemacht werden, so dass das Gefühl der Überforderung der Planbarkeit weicht.