Bei sozialen Angeboten für junge Menschen in Bremen wird immer mehr gespart. Ein aktuelles und bekanntes Beispiel ist der Sportgarten Bremen. Simone Bacher, Fachleitung Teilhabe beim Martinsclub, kritisiert die finanziellen Einschnitte. Und sie zeigt auf, welche Risiken dies mit sich bringt.
„Angebote für Kinder und Jugendliche sind wichtig, darüber dürfte Einigkeit herrschen. Doch vielen Einrichtungen geht es finanziell an den Kragen. Ein aktuelles und sehr prominentes Beispiel ist der Sportgarten. Mit seinem vielfältigen Programm im Bereich Sport und Medien ist er für viele Kinder und Jugendliche ein wichtiger Anlaufpunkt. Junge Menschen mit und ohne Behinderung betätigen sich dort körperlich und tun etwas für ihre Gesundheit. Sie erleben dort Gemeinschaft und Struktur. Und sie verbringen ihre Freizeit mit interessanten, sinnvollen und inklusiven Aktivitäten. Als Ort der Begegnung und der gesellschaftlichen Teilhabe ist der Sportgarten aus Bremen nicht wegzudenken. Seine pädagogische und inklusive Arbeit trägt einen ganz wichtigen Teil zur außerschulischen sozialen Entwicklung Heranwachsender bei. Doch nun droht der finanzielle Kahlschlag: Ab 2027 soll der Sportgarten nicht mehr institutionell, sondern nur noch als Projekt von öffentlichen Förderungen profitieren. Eine drastische Reduzierung der Angebote ist die Folge.
Dabei bekommt die Kinder- und Jugendförderung schon seit Jahren nicht die Aufmerksamkeit, die sie braucht. Viele soziale Organisationen, auch wir als Martinsclub, sind von den Kürzungen betroffen. Dass die Stadt Bremen nun ausgerechnet bei dieser Zielgruppe weiter den Rotstift ansetzt ist für die sozialen Strukturen in Bremen eine Hiobsbotschaft. Und es ist auch ein fatales Signal. Denn es sollte im Interesse der öffentlichen Hand sein, junge Menschen zu fördern. Und ihnen auch außerhalb der Schule sichere Orte mit attraktiven Freizeitaktivitäten zu ermöglichen. Schließlich häufen sich Meldungen über junge Menschen, die der Gesellschaft nicht gefallen können. Sie verbringen immer mehr Zeit am Smartphone und driften in virtuelle Welten ab. Damit gehen erhebliche Suchtrisiken einher. Die Jugendkriminalität liegt seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Auch Übergewicht ist in dieser Altersgruppe ein besorgniserregendes Phänomen. Bei der Kinderarmut belegt das Land Bremen einen traurigen Spitzenplatz. Vielen Familien fehlt für Mitgliedschaften im Sportverein oder die sonstige Freizeitgestaltung das Geld.
Vor diesem Hintergrund ist es eine gefährliche Entwicklung, immer mehr sportliche, pädagogische, soziale Angebote wegzukürzen. Trotz aller Sparzwänge sollten die zuständigen städtischen Akteure ihr Vorhaben überdenken. Der Sportgarten und viele weitere soziale Institutionen stemmen sich gegen diese negativen Entwicklungen. Indem sie junge Leute von der Straße wegholen. Und versuchen, sie mit interessanten Angeboten in eine positive Richtung zu lenken. Orte wie der Sportgarten sind weit mehr als Freizeitangebote. Sie sind niedrigschwellige, inklusive Sozialräume, in denen Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft konkret gelebt werden. Gerade für Kinder und Jugendliche mit Behinderung oder in prekären Lebenslagen sind solche Orte oft die einzigen, die ihnen echte Zugänge ermöglichen. Freiwillig, offen und ohne Hürden.
Das ist auf lange Sicht mehr wert als eine kurzfristige Kostenersparnis und darf nicht einfach ignoriert werden. Alles andere wäre ein gleichgültiges, fahrlässiges Verhalten gegenüber der jüngeren Generation. Die sozialen Strukturen in Bremen sind schwierig genug. Teilhabe für Kinder und Jugendliche ist weder Luxus noch nettes Beiwerk, sondern bitter nötig. Davon profitiert nicht nur die Zielgruppe, sondern die gesamte Gesellschaft.
Simone Bacher, Fachleitung Teilhabe beim Martinsclub Bremen e. V.
