„Autismus gehört in die Mitte der Gesellschaft“ – Kommentar des Martinsclub-Vorstands zum Welt-Autismus-Tag am 2. April
„Was ist eigentlich Autismus – und äußert er sich? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Auswirkungen auf Betroffene, zu vielfältig die Ausprägungen. Ist Autismus eigentlich eine geistige Behinderung, eine Krankheit – oder nichts von beiden? Auch dies ist umstritten. Heute wird er von der Weltgesundheitsorganisation als tiefgreifende Entwicklungsstörung definiert. Nicht umsonst sprechen wir allgemein vom Autismus-Spektrum. Es deckt eine große Bandbreite mit zahllosen Merkmalen ab.
Autismus ist scheinbar aktueller denn je. Immer mehr Menschen leben mit dieser Diagnose. Immer häufiger ist Autismus Thema in der Öffentlichkeit. Hiermit zeigt sich deutlich, dass Autismus in die Mitte der Gesellschaft gehört. Und für viele Menschen ein selbstverständlicher Teil des Lebens ist.
Dies bringt einige Herausforderungen mit sich: Betroffene stoßen im Alltag auf Barrieren – die für Unbeteiligte oft unsichtbar sind. Und die Gesellschaft muss Gleichberechtigung und Teilhabe ermöglichen, wofür es inklusive Lösungen und Akzeptanz braucht. Es gilt, ein generelles Verständnis für die Bedürfnisse und Interessen Betroffener zu schaffen.
Im Martinsclub spielt Autismus schon lange eine tragende Rolle. Wir unterstützen Kinder im Autismus-Spektrum beim Schulbesuch und bieten Eltern autistischer Kinder eine Selbsthilfegruppe. In unserem Podcast „Spektrakulär“ kommen Fachleute zu Wort, um aus unterschiedlichen Perspektiven über Autismus zu berichten. Außerdem kümmert sich im Martinsclub ein eigener Leistungsbereich gezielt darum, Betroffene beruflich zu unterstützen. Hier zeigt sich übrigens ein enormes Potenzial: Menschen im Autismus-Spektrum zeigen sich oft als fokussiert und leistungsfähig – wenn denn die Arbeitsbedingungen passen. Der Leistungsbereich Arbeit des Martinsclub entwickelt innovative Konzepte und berät Unternehmen gezielt dabei, inklusive und passende Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Am 2. April ist Welt-Autismus-Tag. Diese Gelegenheit möchten wir nutzen, um auf Autismus – und die Interessen derer, die damit leben – aufmerksam zu machen. Zu diesem Zweck haben wir ein Sonderheft unseres Magazins „m“ herausgebracht. Darin kommen verschiedene Menschen aus dem Autismus-Spektrum zu Wort. Menschen, die täglich Herausforderungen meistern, um am Leben teilzuhaben. Aus unterschiedlichen Perspektiven berichten sie über ihr Leben mit Autismus.
Warum wir all das machen? Unser Ziel ist eine inklusive Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die Rücksicht nimmt, Barrieren abbaut und Bedürfnisse akzeptiert. Wir sind alle verschieden. Mehr Akzeptanz kommt also allen zugute.“
Jessica Volk und Sebastian Jung, Vorstand Martinsclub Bremen e. V.

