2 Meinungen zur Maske

2 Meinungen zur Maske.

Das Thema des Jahres war ohne Zweifel die Corona-Pandemie. Viel Streit gab es um die Gesichtsmasken. Die einen tragen sie überall, andere nicht. Einige Menschen verweigern die Maske. Andere können wegen einer Beeinträchtigung keine Maske tragen. Es gibt unterschiedliche Meinungen dazu. Im aktuellen m-Magazin haben 2 unserer Autoren dazu Stellung genommen.

Jörn Neitzel

Meine Gesundheit lässt ein Tragen des Mund-Nasen-Schutzes nicht zu. Das hat Konsequenzen im Alltag.

Seit April 2020 gilt an öffentlichen Orten in Bremen die Maskenpflicht. Damit muss jede Bürgerin und jeder Bürger einen Mund-Nasen-Schutz tragen. So soll das Coronavirus eingedämmt werden. Die Pflicht zum Tragen dieser Maske gilt für alle Bürgerinnen und Bürger. Davon ausgenommen sind: Kinder im Alter unter sieben Jahren. Und Menschen, die wegen einer Beeinträchtigung keine Maske tragen können.

Wegen einer Tetraspastik bin ich in meinen Bewegungen stark eingeschränkt. Die Spastik habe ich seit meiner Geburt. Mir fehlt dadurch die Feinmotorik. Daher kann ich mir die Maske nicht selber aufsetzen. Ich kann auch nicht so tief durchatmen, wie die meisten Menschen. Meine Atmung ist sehr flach. Ein Mund-Nasen-Schutz macht das Luftholen noch schwerer für mich. Auch meine Aussprache wird durch die Spastik beeinflusst. Durch meine Aussprache wäre eine Mund- Nasenbedeckung ständig feucht. Sie verliert dann ihren Nutzen.

Um meinen Alltag bewältigen zu können, bin ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. In der Straßenbahn wurde ich öfter auf das Tragen einer Mund-Nasenbedeckung hingewiesen. Ich sitze im Rollstuhl. Deswegen kann ich nicht mal eben den Sitzplatz wechseln. Nur durch Wegsehen konnte ich mit der Situation umgehen. Ich möchte in dieser Lage nicht jedem meine persönliche Situation erklären. Auch das Betreten eines Elektrofachmarkts wurde mir untersagt. Im Eingangsbereich wurde ich von einem großen Aufsteller begrüßt. Dieser machte deutlich, dass Kunden ohne Maske nicht eintreten dürfen. Ärztliche Atteste werden hier nicht anerkannt. Ich habe so einen ärztlichen Attest. Als „Entschädigung“ wurde mir eine Lösung angeboten. Mitarbeitende würden mir die benötigten Artikel zum Eingang bringen. Ich lehnte diesen „Kundenservice“ dankend ab und verließ das Geschäft. Ähnliche Ablehnung erfuhr ich im Supermarkt. Nur durch gutes Zureden ließ mich der Sicherheitsmitarbeiter den Markt betreten.

Vielen Mitmenschen fällt es schwer, mit beeinträchtigten Menschen umzugehen. Dies merke ich besonders in der aktuellen Extremsituation. Es zeichnet sich ab, dass Inklusion durch Corona verdrängt wird. Dennoch darf sie nicht vergessen werden. Nur durch Aufklärung schaffen wir Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen. Durch Toleranz verbessern wir den Umgang miteinander. Es ist nicht schön, wenn Mitmenschen mit dem Finger auf mich zeigen. Auch nicht, wenn sie hinter meinem Rücken heimlich über mich reden.

 

Sven Kuhnen

Ohne Maske? Draußen bleiben!

Der Mann fummelt kompliziert an einem Fetzen Stoff. Nur unwillig hält er ihn sich vor die Nase. Er spricht in seine Hand, guckt genervt. Der Verkäufer in einem Habenhauser Supermarkt hatte ihn zuvor deutlich aufgefordert. „Sie müssen eine Maske aufsetzen!“ Da stand er schon 10 Minuten ohne Mund-Nasen-Schutz in der Schlange. „Eigentlich sehe ich das ja nicht ein“, meckert er noch. Kurz darauf bin ich an der Kasse. „Warum lassen Sie solche Kunden überhaupt noch rein?“, will ich wissen. „Naja, wenn die ein Attest haben …“, meint die freundliche Dame. Aber der Mann hatte keinen Attest. Der hatte keine Lust.

Wenig später besuche ich den gleichen Technik-Markt wie mein Kollege Jörn. Ein Schild begrüßt mich. „In unserem Geschäft besteht Maskenpflicht“, steht darauf. Und sinngemäß weiter: Wir akzeptieren keine Atteste. „Endlich“, denke ich. Ich freue mich richtig, dass dieses Geschäft mich vor Leugnern schützen will. Und vor angeblichen Attesten. Das finde ich gut. Ich selbst bin gerade von einer selbstgebastelten Maske auf FFP2-Masken umgestiegen. Durch diese Masken dringen fast keine Viren. Sie werden auch in Krankenhäusern benutzt. Durch sie habe ich das Gefühl, dass ich sicherer bin. Ich kann mich nicht nur darauf verlassen, dass andere mich schützen.

Wir holen noch schnell Getränke. „Hallo? Haaallo!“ Jemand ruft nach mir. Niemand zu sehen. „Hallo, Sieee?!“ Ich bin gar nicht gemeint. „Sie brauchen hier eine Maske!“. Die Verkäuferin im Getränkemarkt fährt einen älteren Herrn an. Er zuckt zusammen. Hält die Hände vor den Mund, wird rot. Ihm ist das ganze sichtlich peinlich. Limonade, Wasser, Bier – er hat garantiert an alles gedacht. Nur nicht an die Maske. Absicht war das nicht. Abends geht’s für mich zum Sport. Meine Badminton-Halle hat noch auf. Individualsport. Ich bin schon halb da, als ich erschrecke. Ich habe vorhin meine Jacke getauscht. In der anderen war meine Maske. Oh je. Zum Glück kann mein Freund mir eine geben.

Am nächsten Tag sitze ich am Laptop. Mails kommen rein. Ich lese dies und das. Dann den Artikel von Jörn. Und verstehe. Es ist schon verrückt. Dieses Stück Stoff ist für uns so alltäglich geworden. Unser Umgang ist unterschiedlich. Wir wollen selbst geschützt werden, da sind wir streng. Aber selbst vergessen wir auch mal, andere zu schützen. Du hast völlig Recht. Wir alle sollten Masken tragen. Alle, die das können. Um uns und andere schützen. Und um diejenigen zu schützen, die das nicht können. Für diejenigen, die das nicht wollen, habe ich allerdings Null Toleranz.

 

Dieser Text stammt aus dem Magazin “m”, Ausgabe 4/2020.

Redaktion: selbstverständlich GmbH

Lagershausen, Ludwig
Agentur selbstverständlich
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit