Lust, Laune und Lampenfieber

Der Martinsclub und die „Compagnons“ drehen einen inklusiven Film

Ein Beitrag aus unserem m-Magazin, Ausgabe 4/2020.

Samstagmorgen, kurz vor 10, Treffpunkt Focke-Museum. Hier sammelt sich eine bunte Truppe. Sie fällt sofort auf. Einige tragen Kostüme, eine junge Frau hat sogar einen Dudelsack dabei. Es wird getuschelt und gelacht. Ausgelassene Stimmung und Freude mischen sich mit aufgeregter Anspannung. Das inklusive Filmteam ist bereit. Ein langer Drehtag steht bevor.

Inklusion mit Humor und Sozialkritik

Der Titel klingt schon mal vielversprechend. „2035 – Abgestürzt“ soll er heißen. Es entsteht eine humorvolle und actionreiche Detektivgeschichte „Die Handlung spielt in der Zukunft, im Jahr 2035. Es geht um 2 zentrale Themen. Klimawandel und Flucht. Beide sind heute und auch künftig sehr aktuell. Wir wollen thematisieren, wie die Menschheit damit umgehen wird. Dies machen wir auf kritische, aber trotzdem humorvolle Weise“, verrät Elizabeth Dinh. Die Schauspielerin kümmert sich um die Organisation des Projektes. Doch wie wird ein Film eigentlich inklusiv? „Durch eine absolut inklusive Mannschaft. Es spielen richtige Profis mit, aber auch Laien. Einige haben eine Beeinträchtigung, andere nicht. Es kommen manchmal spontan neue Leute hinzu. Es ist alles sehr durchmischt und zwanglos. Beeinträchtigungen oder schauspielerische Erfahrung sind dabei völlig egal“, erklärt Regisseur Jürgen Köster. Zudem ist das Gesamtkonzept inklusiv aufgebaut. Denn das Drehbuch wurde von allen Teilnehmenden gemeinsam geschrieben. So konnten alle von Anfang an mitwirken und eigene Ideen einbringen.

Lust, Laune, Lampenfieber

Viele stehen tatsächlich zum ersten Mal vor der Kamera. „Ich habe zwar schon im Theater mitgespielt. Aber noch nie, wenn eine richtige Kamera dabei war. Für mich ist das ganz neu. Deshalb bin ich schon etwas aufgeregt“, sagt Eno Meko. Ihn fasziniert, dass der Film sogar ins Kino kommt. „Das wird bestimmt ziemlich cool.“ Auch Dustin Cwiertnia ist die Aufregung anzusehen. Kameras kennt er zwar schon. Denn er hat mal ein Praktikum im Studio von buten un binnen gemacht. Aber selbst im Rampenlicht stehen? „Ich glaube, das macht total Spaß. Darauf freue ich mich wirklich sehr“, erklärt er. Und es soll nicht sein letzter Einsatz beim Film bleiben. „Später möchte ich gerne Schauspieler werden. Mein Ziel ist es, bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten mitzumischen.“ Beim inklusiven Film will er dafür ein paar Erfahrungen sammeln. André Woiczik dagegen war schon mal in einem Fernsehstudio. „Bei einer Talkshow war ich mal im Publikum“, erinnert er sich. Zudem spielt er Theater. Und mit Kameras kommt er bei den Stadtteilbloggern öfter in Kontakt. „Besonders interessiert es mich hier, mal hinter die Kulissen zu gucken. Ich bin gespannt, wie so ein Film eigentlich gemacht wird.“

Anfänger und Profis sind gemeinsam am Werk

Dagegen hat Nadine Urbons schon öfter bei den Compagnons mitgespielt. Es ist ihr dritter Film. „Das ist für mich fast schon Routine“, sagt sie lächelnd. Sie freut sich darauf, in eine andere Rolle zu schlüpfen. „Es macht Spaß, vor der Kamera eine andere Person zu sein.“ Isabel Gersiek geht es ähnlich. Bei den Compagnons gehört sie zur festen Besetzung. Hier hat sie bereits in mehreren Rollen mitgewirkt. „Vor der Kamera muss man sehr konzentriert sein. Die Mimik darf nicht verrutschen. Und man sollte sich auch nicht allzu sehr verstellen. Daher ist es in jeder neuen Rolle immer wieder spannend“, findet sie. Nun ist sie als Astronautin gefragt, eine der Hauptrollen. „Ich sehe das als große Aufgabe. Zu Beginn war das echt aufregend. Aber das hat sich mittlerweile gelegt.“ Sie ist besonders von der schönen Stimmung angetan, die beim Dreh herrscht. „Alle bringen Begeisterung und vollen Einsatz mit. Es wird nicht so stark nach Leistung beurteilt. Alle können etwas zum Erfolg beitragen. Das finde ich toll“, sagt sie. Eine wichtige Rolle füllt auch Simone Davies aus – und zwar als Dudelsackspielerin. „Im echten Leben spiele ich Dudelsack. Dies auch öfter vor vielen Menschen. In einem Film war ich aber noch nie zu sehen. Ich weiß noch gar nicht, was da auf mich zukommt“, lacht sie. Zudem ist sie eher zufällig zu diesem Projekt gekommen. „Jürgen Köster, der Regisseur, ist mein Nachbar. Er hat mich gefragt, ob ich spontan mitmachen möchte. Und jetzt probiere ich das einfach mal aus.“

Alle ziehen an einem Strang

Auch hinter den Kulissen herrscht reges Treiben. Jede Szene beginnt mit einem Kommando der Regie. „Kamera läuft“, ruft der Kameramann. „Abgestürzt 2035, Szene 25, Klappe, die erste“, heißt es dann. Anschließend gibt Regisseur Jürgen Köster die Szene frei. „Und bitte“, ruft er. Dann, absolute Stille. Nur jene, die einen Text haben, dürfen sprechen. Viele Szenen müssen wiederholt oder mehrmals gedreht werden. Es ist nicht immer einfach, sich den Text zu merken. Die Anstrengung ist allen anzumerken. Aber, vor allem auch der Spaß daran. „Wir haben ein motiviertes Team, es klappt wirklich gut. Das macht Freude, der Film wird gut“, ist sich Köster sicher. Am Ende des langen Drehtages sind alle erschöpft – aber glücklich. Denn wenn der Film fertig ist, kommen sie groß raus. Da sind sich alle einig.

Wo kann man den Film ansehen?

Im Frühjahr 2021 kommt der Film „2035 Abgestürzt“ ins Kino. Er läuft im City 46 in der Bremer Innenstadt, Birkenstraße 1, 28195 Bremen. Die genauen Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben. Weitere Infos bei Hedwig Thelen: , 0160 – 55 13 465 www.compagnons-film.com

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei „Aktion Mensch“ für die Unterstützung!

Dieser Text erschien zuerst im m-Magazin, Ausgabe 4/2020.

 

Lagershausen, Ludwig
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Thelen, Hedwig
Teilhabe
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